• 01Prüfen Sie vor der Klage, ob der Streitwert 5000 Euro nicht übersteigt und ob das Amtsgericht örtlich zuständig ist.
  • 02Unterschreiben Sie die Klageschrift mit Tinte und fügen Sie ein fortlaufend nummeriertes Anlagenverzeichnis bei.
  • 03Zahlen Sie den Gerichtskostenvorschuss ein oder stellen Sie einen Antrag auf Stundung, sonst wird die Zustellung nicht veranlasst.
Was tun, wenn Kunde die Rechnung nicht bezahlt?

Der offene Betrag aus dem Onlineshop

Sie haben im Oktober über Kleinanzeigen eine gebrauchte Kamera für 480 Euro verkauft, der Käufer hat die Ware erhalten, aber die Rechnung bleibt offen. Oder Sie sind Freelancer und warten seit Wochen auf das Honorar für ein Projekt. In beiden Fällen stellt sich die Frage: Was tun, wenn der Kunde die Rechnung nicht bezahlt? Der Weg zum Amtsgericht ist ohne Anwalt möglich, aber das Gericht prüft den Schriftsatz genau.

Bevor Sie klagen, sollten Sie den außergerichtlichen Weg abschließen. Eine Mahnung mit Fristsetzung und der Hinweis, dass Sie danach gerichtliche Schritte einleiten, gehört in jede Akte. Erst wenn diese Frist fruchtlos verstreicht, ist der Zeitpunkt für das gerichtliche Mahnverfahren oder die Klage gekommen.

Warum das Gericht auf Form und Inhalt achtet

Das Amtsgericht ist für Geldforderungen zuständig, wenn der Streitwert 5000 Euro nicht übersteigt. Darüber wäre grundsätzlich das Landgericht zuständig, und dort gilt Anwaltszwang. Prüfen Sie den aktuellen Wortlaut von GVG § 23 und GVG § 71.

Die Geschäftsstelle kann eine Klage nur zustellen, wenn die Angaben vollständig sind. Fehlt die zustellungsfähige Anschrift des Beklagten, kann die Zustellung nicht veranlasst werden. Deshalb fragt das Gericht nicht aus Formalität, sondern weil es den Beklagten erreichen muss.

Diese Felder erwartet das Gericht im Rubrum

Das Rubrum ist der Kopf Ihrer Klageschrift. Hier stehen die Parteien, das Gericht und der Streitgegenstand. Jedes Feld hat eine Funktion, und ein fehlendes Feld führt zu Rückfragen.

  • Kläger: Ihr vollständiger Name, Anschrift und, falls vorhanden, Telefonnummer.
  • Beklagter: Name und zustellungsfähige Anschrift der Person, die nicht gezahlt hat.
  • Gericht: Die genaue Bezeichnung des Amtsgerichts, bei dem Sie einreichen.
  • Aktenzeichen: Falls bereits ein Mahnverfahren lief, das dort vergebene Aktenzeichen.
  • Streitwert: Die Höhe der Hauptforderung, also der offene Rechnungsbetrag.
  • Antrag: Was das Gericht tun soll, zum Beispiel den Beklagten zur Zahlung zu verurteilen.

Die örtliche Zuständigkeit richtet sich nach dem allgemeinen Gerichtsstand des Beklagten. Das ergibt sich aus ZPO § 12 und folgende. Reichen Sie beim falschen Gericht ein, wird die Sache verwiesen.

Der Sachverhalt: kurz, chronologisch, nachvollziehbar

Der Sachverhalt ist keine Nacherzählung Ihrer gesamten Geschäftsbeziehung. Das Gericht will wissen, wann welcher Vertrag geschlossen wurde, wann die Rechnung fällig war und wann Sie gemahnt haben. Schreiben Sie in kurzen Sätzen und in zeitlicher Reihenfolge.

Nennen Sie das Datum der Rechnung, die Rechnungsnummer und den Betrag. Erwähnen Sie, ob eine Lieferung oder Leistung erfolgt ist und ob der Kunde Mängel gerügt hat. Wenn Sie über eine Plattform wie Kleinanzeigen verkauft haben, beschreiben Sie den Ablauf sachlich.

Checkliste: So reichen Sie die Klage ein

  1. Klageschrift auf Papier verfassen, vollständig in deutscher Sprache, mit Rubrum und Antrag.
  2. Je eine Abschrift für jede beklagte Person und eine weitere Abschrift für das Gericht beifügen.
  3. Mit Tinte auf der Unterschriftszeile unterschreiben, darunter Name in Druckbuchstaben, Anschrift und Telefonnummer.
  4. Anlagenverzeichnis erstellen und jede Anlage fortlaufend ab 1 nummerieren.
  5. Auf jeder Kopie dieselbe Nummer und Bezeichnung wie im Verzeichnis anbringen.
  6. Gerichtskostenvorschuss einzahlen oder einen Antrag auf Prozesskostenhilfe bzw. Stundung stellen.
  7. Gerichtsanschrift, Name und Zustellungsanschrift beider Parteien sowie ein vorhandenes Aktenzeichen eintragen.
  8. Sicherstellen, dass der gesamte Schriftsatz deutsch ist; fremdsprachige Anlagen mit deutscher Übersetzung beifügen.
  9. Urkunden als lesbare Kopien beifügen; Originale erst in der mündlichen Verhandlung vorlegen.

Die Gerichtssprache ist Deutsch. Das ergibt sich aus GVG § 184. Ein fremdsprachiger Schriftsatz wahrt in der Regel keine Frist.

Welche Anlagen Sie nummerieren und beifügen

Das Anlagenverzeichnis ist die Landkarte Ihrer Belege. Ohne Verzeichnis wird der Eingang beanstandet. Nummerieren Sie fortlaufend ab 1 und bezeichnen Sie jede Anlage genau so, wie sie im Verzeichnis steht.

Anlage Bezeichnung
1 Rechnung vom 12.09.2026, Nr. 2026-114
2 Lieferschein oder Sendungsnachweis
3 Mahnung vom 01.10.2026 mit Fristsetzung
4 Schriftwechsel mit dem Kunden
5 Kontoauszug oder Zahlungsnachweis

Fügen Sie Urkunden als lesbare Kopien bei. Originale legen Sie erst in der mündlichen Verhandlung vor. Wenn Sie unsicher sind, welche Belege das Gericht erwartet, hilft ein Blick in die Belege für eine nicht bezahlte Rechnung.

Häufige Gründe, warum die Klage zurückkommt

Die Geschäftsstelle beanstandet einen Eingang, wenn die Klageschrift nicht unterschrieben ist. Nach ZPO § 130 Nr. 6 muss der Schriftsatz von der verfassenden Person unterschrieben sein. Ohne Unterschrift wird er nicht zugestellt, und die Frist gilt in der Regel als nicht gewahrt.

Ein weiterer Grund ist eine fehlende oder unvollständige Anschrift des Beklagten. Ohne zustellungsfähige Anschrift kann die Geschäftsstelle die Zustellung nicht veranlassen. Auch ein fehlendes Anlagenverzeichnis oder nicht durchnummerierte Anlagen führen zu Rückfragen.

Der Gerichtskostenvorschuss muss eingegangen sein, bevor die Zustellung veranlasst wird. Ist das nicht möglich, können Sie einen Antrag auf Bewilligung von Prozesskostenhilfe oder auf Stundung stellen. Die genaue Höhe setzt das Gericht fest; prüfen Sie die aktuelle Kostentabelle.

Was nach der Zustellung passiert

Nach Eingang des Vorschusses veranlasst das Gericht die Zustellung an den Beklagten. Der Beklagte erhält eine Frist, um sich zu äußern. Reagiert er nicht, kann das Gericht einen Versäumnisbeschluss erlassen. Ob und wann das geschieht, entscheidet das Gericht nach den Umständen des Einzelfalls.

Der Zustellungsnachweis dokumentiert, wann der Beklagte die Klage erhalten hat. Dieses Datum ist wichtig, weil es den weiteren Verfahrensablauf bestimmt. Bewahren Sie alle Schreiben des Gerichts auf und notieren Sie Fristen in Ihrem Kalender.

Wann sich der Weg zum Amtsgericht lohnt

Ob eine Klage sinnvoll ist, hängt vom Streitwert, den Erfolgsaussichten und der Zahlungsfähigkeit des Beklagten ab. Bei kleinen Beträgen kann der Aufwand den Nutzen übersteigen. Prüfen Sie, ob eine Ratenzahlung oder ein Vergleich außergerichtlich möglich ist.

Wenn Sie sich für den gerichtlichen Weg entscheiden, bereiten Sie den Schriftsatz sorgfältig vor. Die Vorbereitung Ihrer Klage hilft Ihnen, die Felder in der richtigen Reihenfolge auszufüllen. Bei Fragen zur Zuständigkeit oder zum Verfahren gibt die Rechtsantragsstelle des Amtsgerichts Auskunft. Regeln ändern sich; maßgeblich sind die aktuellen Hinweise des Gerichts.

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Häufige Fragen

Muss ich vor der Klage zwingend mahnen?

Eine Mahnung mit Fristsetzung ist der übliche erste Schritt und dokumentiert, dass Sie den Kunden zur Zahlung aufgefordert haben. Erst wenn die Frist fruchtlos verstreicht, ist der Zeitpunkt für das gerichtliche Mahnverfahren oder die Klage gekommen. Ob eine Mahnung zwingend erforderlich ist, hängt vom Einzelfall ab.

Was kostet eine Klage beim Amtsgericht?

Die Höhe des Gerichtskostenvorschusses richtet sich nach dem Streitwert und der aktuellen Kostentabelle. Die genaue Höhe setzt das Gericht fest. Wenn Sie den Vorschuss nicht zahlen können, können Sie einen Antrag auf Bewilligung von Prozesskostenhilfe oder auf Stundung stellen.

Kann ich ohne Anwalt klagen?

Vor dem Amtsgericht können Sie sich selbst vertreten, solange der Streitwert 5000 Euro nicht übersteigt. Vor dem Landgericht besteht grundsätzlich Anwaltszwang. Prüfen Sie den aktuellen Wortlaut von GVG § 23 und GVG § 71.

Was passiert, wenn der Beklagte nicht reagiert?

Nach der Zustellung erhält der Beklagte eine Frist zur Äußerung. Reagiert er nicht, kann das Gericht einen Versäumnisbeschluss erlassen. Ob und wann das geschieht, entscheidet das Gericht nach den Umständen des Einzelfalls.

Offizielle Quellen

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